Newsletter – 3-2025Barrierefrei in der digitalen Welt: Seminar hilft Handwerksbetrieben bei Umsetzung des neuen Gesetzes
Rund 80.000 Menschen in Deutschland sind gehörlos. 500.000 haben eine Sehbehinderung von unter 30 Prozent. 70.000 sind vollblind. Jeder Zehnte in der Bundesrepublik hat eine Farbschwäche. 4 Millionen kämpfen mit Sprachproblemen. 1,6 Millionen leiden unter kognitiven Beeinträchtigungen. Und nun? "Es ist einfach wichtig und richtig, dass jeder die Möglichkeit hat, sich auch im Internet barrierefrei zu bewegen", sagt Aaron Maier, technischer Berater der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald. Der Gesetzgeber verpflichte Unternehmen sogar dazu, freien Zugang auf ihren Webseiten zu ermöglichen.
Für öffentliche Stellen, wie die Handwerkskammer, ist dies schon seit geraumer Zeit der Fall. Ab 28. Juni 2025 sind nun auch Unternehmen und damit auch Handwerksbetriebe verpflichtet, ihre Seiten barrierefrei zur Verfügung zu stellen. Barrierefreiheitsstärkungsgesetz nennt es sich ganz sperrig. Kurz BFSG. "Betroffen sind Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern und mehr als 2 Millionen Euro Jahresumsatz oder solche, die Online-Shops betreiben", sagt Aaron Maier. "Doch unabhängig davon, geht das Thema Barrierefreiheit alle an."
Workshop am 17. Juni 2025
Das findet auch Lars Assent, Fachreferent von Eye-Able, einer Firma, die KI-Lösungen, Software-Services, Tests und Workshops zur Gestaltung barrierefreier Websites anbietet. Die Handwerkskammer hat den Profi für eine Infoveranstaltung am 17. Juni gewonnen. Von 17 bis 18:30 Uhr gibt Lars Assent im Rahmen des Online-Seminars einen kompakten Schnellüberblick über die gesetzlichen Grundlagen und die zentralen Anforderungen, die es künftig zu erfüllen gilt. "Vielen Betrieben ist die Barrierefreiheit ihres Internetauftritts aber ein ganz selbstverständliches Anliegen", sagt er. "Alleine schon deshalb, um für alle Kunden zugänglich zu sein oder um im B2B-Bereich jeden zu erreichen." Auch für Handwerksbetriebe sei die Umsetzung wichtig und erstrebenswert. "Die digitale Kundenkommunikation wird im Handwerk immer wichtiger", pflichtet Aaron Maier bei. "Wer hier frühzeitig Barrieren abbaut, hat klare Vorteile im Wettbewerb."
Best-Practice-Beispiele
Das Online-Seminar durchleuchtet alle Aspekte der Umsetzung barrierefreier Webseiten. Die Teilnehmenden erfahren, welche Anforderungen an Inhalte wie Texte, Bilder, Videos oder die Navigation gestellt werden, wie eine barrierefreie Struktur aussieht und welche technischen Maßnahmen notwendig sind, um Barrierefreiheit im Web zu integrieren. "Dabei stellen wir auch ein konkretes Best-Practice-Beispiel vor, das zeigt, wie Barrierefreiheit effektiv und nutzerfreundlich umgesetzt wird – sowohl technisch als auch gestalterisch", so Aaron Maier.
HWK war schon aktiv
Auch die Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald hat sich vor geraumer Zeit der Frage gestellt, wie ihre Website barrierefrei wird. In diesem Zusammenhang entstanden viele Änderungen, die gar nicht auf ersten Blick sichtbar sind. Beispielsweise im Bereich der Tab-Navigation. Oder durch das Beschreiben von Bildern. Anders fällt direkt auf - wie die Bereiche "Leichte Sprache" oder "Gebärdensprache". Über das Icon am rechten Seitenrand lässt sich der Hilfsassistent von EyeAble aufrufen. Besondere Funktionen, wie Kontrast, Schriftgröße und Vorlesen, sind über die Icons auf der linken Seite direkt zugänglich.
Was das jetzt in Kraft tretende Gesetz für Handwerksbetriebe bedeutet und was es nun zu tun gilt, erklärt Lars Assent im Kurz-Interview:
Barrierefrei ist ein großes Wort und bedarf vieler Schritte – wo fängt man am besten an, wenn man tatsächlich noch ganz am Anfang steht?
Das Wichtigste ist einfach, ins Doing zu kommen. Überhaupt sich zu beschäftigen. Dabei kann schon das Seminar der Handwerkskammer helfen, weil es einen ersten Überblick gibt. Es ist wichtig, ein Verständnis zu entwickeln, was Barrierefreiheit überhaupt bedeutet.
Und was sind dann die ersten Schritte auf dem Weg zur Barrierefreiheit?
Das ist recht individuell, weil es immer auf den jeweiligen Stand einer Seite ankommt. Anfangen kann man bei den PDFs, dem Erstellen einer Erklärung zur Barrierefreiheit und bei den WCAG – den Web Content Accessibility Guidelines.
WCAG hört sich schon wieder sehr groß an … Können Sie einfach mal die wichtigsten Eckpunkte nennen?
Die gravierendsten Basics oder häufigsten Fehler sind Kontrastfehler, falsche Navigationspunkte und fehlende Alt-Texte. Oft kommt es auch vor, dass eine falsche HTML-Sprache hinterlegt ist, die Seite also nicht in Deutsch ausgelesen werden kann.
Was, glauben Sie, sind die größten Herausforderungen bei Websites speziell aus dem Handwerk?
Ich glaube, da muss man sich gar keine großen Sorgen machen. Meist sind die Seiten von Handwerksbetrieben recht klar und überschaubar aufgebaut. Das erleichtert auch die barrierefreie Gestaltung. Da ist ein komplexes Shop-System, das in viele Unterseiten geht, sehr viel schwieriger. Die größte Herausforderung wird vielleicht das Anfangen und Umsetzen an sich sein. Gerade bei kleinen Betrieben sind die Kapazitäten für alles Zusätzlich ja oft sehr beschränkt.
Es gibt ja auch Assistenz-Systeme, die helfen?
Das ist richtig. Allerdings packen solche „Overlays“ nicht am Kern an. Eine Website muss von Grund auf barrierefrei aufgebaut sein. Trotzdem kann Assistenzsoftware vieles abfedern und dabei unterstützen, dass Websites auch für Menschen mit Einschränkungen zugänglich und lesbar werden. Ob Mehrsprachigkeit, das Übersetzen in einfache Sprache oder einfach nur technische Prüfungen – es gibt viel Hilfreiches.
Ab 28. Juni 2025 gelten verbindliche Anforderungen für digitale Angebote für alle Unternehmen in Deutschland. Was das für Handwerksbetriebe bedeutet und wie sie ihre Websites barrierefrei aufstellen können, ist Inhalt dieses Seminar-Angebots der Handwerkskammer.
Online-Seminar:
Barrierefreie Websites
17. Juni 2025
17:00 - 18:30 Uhr
Anmeldefrist: 16.06.2025
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