Blick auf eine Gruppe junger Männer, die beiden im Vordergrund schrauben an einem aufgehängten Autoreifen, die anderen schauen dahinter zu
Einfach machen – mit diesem Motto funktioniert die Berufsorientierung beim Handwerk bestens, wie hier bei den Kfz-Mechatronikern. | © Handwerkskammer

Newsletter – 3-2025Berufsorientierung im Handwerk: Mit dem Ausprobieren kommt das Interesse

"Wir brauchen Nachwuchs!" Was Kammerpräsident Klaus Hofmann so kurz und knapp sagt, weiß jeder Betrieb. Doch woher nehmen, wenn es nicht genügend Ausbildungsinteressierte gibt? "Wir müssen zeigen, was wir können. Welche Perspektiven Handwerk bietet. Wie vielfältig, kreativ, zukunftsweisend es ist. Und das funktioniert am besten, wenn wir junge Leute direkt ansprechen", so der Präsident.

Die Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald unterstützt hierbei auf vielerlei Weise. Sie wirbt um  Ausbildungsbotschafter und schult diese. Sie ist Ansprechpartner über das Team der Ausbildungs- und Nachwuchssicherungsberatung – und zwar für jeden, der mit Ausbildung zu tun hat. Sie bietet die Lehrstellenbörse an. Sie hat die regionale Ausbildungskampagne  "Handwerk – Das isses!" ins Leben gerufen. Sie besucht Ausbildungsmessen und Veranstaltungen zur Berufsorientierung. Sie bietet selbst Events an und wirbt damit um das Interesse junger Leute. Sie geht in Schulen, diskutiert mit Lehrern, informiert Schüler und spricht auf Elternabenden die Eltern an.

Wenn junge Leute nicht wissen, was sie interessiert, hat das nichts mit Desinteresse zu tun.



Dass all dies Wirkung hat, zeigt sich an vielen kleinen Beispielen. Eines ist der Erfolg der Berufsorientierung auf dem Maimarkt. 508 Schülerinnen und Schüler aus zehn verschiedenen Schulen konnte die Handwerkskammer diesmal in die Halle bringen. Von den Klassenstufen 6 bis 11 waren verschiedene Altersgruppen dabei. An den Ständen von Innungen und Betrieben gab es Mitmachstationen – und auf die kam es an. "Wir fragen die jungen Leute zu Beginn, was sie interessiert. Oft wissen sie es gar nicht", sagt Hannah Reichenecker, Ausbildungs- und Nachwuchssicherungsberaterin der Handwerkskammer in Mannheim. "Mit Desinteresse hat das aber nichts zu tun, denn es interessiert sie doch, was wir zeigen. Dort, wo sie etwas ausprobieren können, sind sie sofort dabei. Vielfach wollen sie dann gleich nochmals austesten."

Am Ende kann jeder sagen, der Beruf hat mir gefallen, der nicht.



Dass sie nach dem Ausprobieren dann auch wüssten, welche Ausbildung sie sich vorstellen könnten, zeigt, dass die Aktionen wirken. Abschließend gibt es von der Kammer noch Glückskekse. Auf den schmalen Zettelchen darin stehen Berufe. "Wenn dieser Zettel dann auch noch zum gerade Erlebten passt und der Beruf Spaß gemacht hat, ist die Freude immer groß", so Hannah Reichenecker. "Manche behalten ihn sogar."

Besonders wirkungsvoll, so zeigt es die Erfahrung der Ausbildungs- und Nachwuchssicherungsberater, ist die Berufsorientierung dann, wenn sie über mehrere "Etappen" geht. Ein Beispiel ist das Bergstraßen-Gymnasium in Hemsbach. "Dort haben wir schon vorab direkt in der Schule über die Karrieremöglichkeiten im Handwerk gesprochen und so Vorab-Input gegeben", sagt Susanne Bäcker-Valerius, die für die Handwerkskammer auch Veranstaltungen und Messen im Bereich der Berufsorientierung betreut. Auf dem Maimarkt folgte dann der praktische Teil und man merke: "Die Schülerinnen und Schüler gehen nochmal ganz anders an die Mitmach-Stationen ran."

Gymnasien wird gerne vorgeworfen, nichts für Ausbildungsberufe zu tun.



Eine andere Besonderheit zeigt sich am Mannheimer Lessing-Gymnasium. Dort hat man die Berufsorientierung auf dem Maimarkt zu einem "Tag des Handwerks" ausgerufen. "Gymnasien wird ja oftmals vorgeworfen, in der BO zu wenig für Ausbildungsberufe zu tun", sagt Tobias Stahl, der an der Schule auch die Studien- und Berufsorientierung betreut. "Wir hatten den Fokus aber immer schon auch auf klassischen Ausbildungsberufen." Als dann durch das Bildungsministerium Baden-Württemberg der Wunsch formuliert wurde, aufgrund des Fachkräftemangels das Handwerk zu berücksichtigen, entstand im Lessing-Gymnasium vor vier Jahren die Idee des "Tags des Handwerks". "Damit leisten wir als Gymnasium sicher auch ein wenig Pionierarbeit", so der Lehrer.

Diesmal nahmen 44 Schülerinnen und Schüler teil – alle aus der Klassenstufe 11, also ein Jahr vor dem Abitur. Sie absolvierten nicht nur vier Stationen, wie dies die anderen Schüler im Rahmen der BO auf dem Maimarkt taten, sondern erlebten gleich acht Berufe. Hinter der Entscheidung, den Blick in Richtung Handwerk zu öffnen und handwerkliche Erfahrungen zu ermöglichen, stehen die verantwortlichen Lehrer aus Überzeugung. Natürlich gibt es auch einen Tag der Studien- und Berufsorientierung am Lessing-Gymnasium, an dem es um Studiengänge geht und Arbeitsamt und IHK Ausbildungsberufe vorstellen. "Wir glauben, dass es eine Breite braucht, und knüpfen an der Frage an, wie es nach der Schule weitergehen könnte", sagt Lehrerin Tatjana Filsinger.

In der Vergangenheit sei es immer wieder vorgekommen, dass Schülerinnen und Schüler mit einem Studium begannen, jedoch damit nicht glücklich wurden. "Von vorneherein Perspektiven und verschiedene Möglichkeiten aufzuzeigen, macht mehr Sinn", findet Tatjana Filsinger. Das bestätige sich auch immer wieder an den Rückmeldungen. Denn die Tage der Berufsorientierung – auch der beim Handwerk – werden im Unterricht nochmals aufgegriffen. "Wir bitten die Schüler um Evaluation", so die Lehrer. Zum Handwerk könne man sagen: "In den letzten Jahren war die Rückmeldung immer sehr eindeutig, dass das Angebot sehr positiv wahrgenommen wurde."

Jeder Betrieb profitiert, wenn er sich selbst beteiligt.



Und was können nun Betriebe selbst tun? "Mitmachen, wann immer es geht", sagt Präsident Klaus Hofmann. Das heißt: Kontakt zu Schülerinnen und Schülern suchen. Praktika anbieten. Auf Messen und bei Veranstaltungen ausstellen. Geeignete Azubis motivieren, Ausbildungsbotschafter zu werden. "Handwerk muss nur den Zugang schaffen, dann ist es überzeugend", so Klaus Hofmann. Und selbst dann, wenn nicht immer gleich ersichtlich werde, dass eine Berufsorientierung, eine Messe oder ein Tag der offenen Tür konkrete Ergebnisse liefere, so helfe das Engagement dem Handwerk doch immer in der Breite. "Wenn ein Jugendlicher aus dem Praktikum beim Tischler mit dem Wissen geht, dass dies nicht sein Beruf ist, er jedoch die Ausbildung beim Bäcker beginnt, weil ihn Handwerk an sich überzeugt hat – dann haben wir alle etwas davon. So stärken wir den Stellenwert unserer Berufe in der Gesellschaft", sagt der Präsident.

Beratung und Unterstützung erhalten Betriebe, Azubis sowie alle, die sich für die Ausbildung im Handwerk interessieren, vom Team der Ausbildungs- und Nachwuchssicherungsberatung der Handwerkskammer.



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