Jubiläums-BierEiskalt prickelnd, fruchtig, süffig – Wie die Leidenschaft fürs Bier zur Berufung führte
Man muss schon wissen, wo man hinmuss, damit man an dieser Brauerei nicht einfach vorbeiläuft. Eigentlich sieht es eher nach Wohnsiedlung aus. Ist ja auch. Die Hausbrauerei Weinert heißt nicht umsonst "Hausbrauerei". Das ist ganz ernst gemeint, auch wenn das Bier den Heimatort schon längst verlassen hat und sogar in einem Sternerestaurant in Darmstadt ausgeschenkt wird. Trotzdem steht man erst mal etwas ratlos in der Heinrich-von-Kleist Straße in Mosbach. Wäre da nicht das große, kunterbunte Schild an der Hauswand – man würde sicherlich vorbeilaufen.
Zugang ist durchs Garagentor. Die Einfahrt ist ordentlich abschüssig, sodass von den beiden Bierbrauern trotz geöffnetem Tor erst mal nur die Beine zu sehen sind. Dann schaut man in freundliche Gesichter. Ein fröhliches "Hallo" - und schon hat einen die Welt der kleinen, feinen Braugeheimnisse. Martin und Marlon Weinert sind Vater und Sohn. Gemeinsamkeiten haben die beiden ganz offensichtlich viele. Beide sind gelernte Maschinenbauer, technikverrückt und vor allem: Sie lieben Bier! "Bier ist so vielfältig", schwärmen die zwei. "Es gibt ein Riesenspektrum. Viel vielfältiger als Wein!" Dass die Lust, ein gutes Bier zu genießen, dann zur Brauerei im eigenen Haus führt, hätte vor Jahrzehnten wohl trotzdem keiner von beiden gedacht.
Aber manchmal fügt sich eben alles zusammen. Da war im Studium erst der Mitbewohner, der im Einkochtopf auf kleinstem Raum für den Privatgebrauch braute; dann der entfernte Bekannte, der eine richtige Brauanlage abzugeben hatte - und schon stand diese kurz darauf als Erstausstattung in der Garage. 2015 war das. "Anfangs haben wir alles an Literatur aufgesogen, was es zu bekommen gab", erzählen Vater und Sohn. "So haben wir uns zwar viel Theoretisches Wissen angeeignet, aber die Praxis fehlte halt." Gut, dass es also professionelle Unterstützung von einem gelernten Bierbrauer gab. "Er hat mit uns den allerersten Sud gemacht", sagt Marlon Weinert. "Und der war echt hervorragend."
So "einfach mal" brauen mag im kleinsten Rahmen für private Zwecke zwar gehen, aber mit der Professionalität werden andere Maßstäbe gesetzt. Nicht umsonst ist der Beruf des Bierbrauers ein Ausbildungsberuf im Handwerk, der ganze dreieinhalb Jahre umfasst. Es geht dabei nicht nur um Technik, handwerkliches Können und Geschmack, sondern auch um all das Wissen zu einem sensiblen Nahrungsmittel. Sogar der Meister lässt sich im Brauer- und Mälzer-Handwerk machen. Neun Brauerei-Betriebe sind aktuell in der Handwerksrolle der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald registriert. Und so unterschiedlich und einzigartig sicher ihre Biere sind, so unterschiedlich und einzigartig sind sie auch aufgestellt: vom Meisterbetrieb, der ausbildet, bis zur Kleinstbrauerei wie der Hausbrauerei Weinert. Den bewussten Bezug zur Region und den Anspruch, hochwertige Qualitätsprodukte zu bieten, haben sie alle.
Heute ist die kleine 60-Liter-Anlage der ersten Stunde im Mosbacher Betrieb längst Vergangenheit. Gebraut wird mittlerweile in einer selbst gebauten 160-Liter-Anlage. Noch reicht das. "Wir wollen organisch wachsen und uns nicht übernehmen", sagt Martin Weinert. In der Region hat es sich längst rumgesprochen, dass es im Haus in der Heinrich-von-Kleist Straße gutes Bier gibt. Nicht nur Privatpersonen bestellen ihre Rationen. Neben dem Sternerestaurant in Darmstadt werden auch die ortsansässigen Restaurants "Ludwig" und die "Taverna Mythos" beliefert.
Acht Wochen dauert der Herstellungsprozess. Beginnend mit dem Brautag, der acht bis zehn Stunden in Anspruch nimmt, dann geht es zur offenen Gärung für sieben bis acht Tage in die Kühlung, bevor das Bier über die verbleibende Zeit zur Nachgärung in Drucktanks wandert. Filtriert wird Weinerts Hausbräu nicht. "Wir versuchen aber, es möglichst klar hinzubekommen", sagt Marlon Weinert. So geht’s also ab in die Flasche. Und zwar ein ganzer Liter, der nur darauf wartet, bis ein Bierverliebter den Bügelverschluss ploppen und das leckere Kühle zischen lässt. Klassisches Grundrezept ist übrigens ein Dortmunder Export. "Wir kombinieren dies aber mit ganz modernen, fruchtigen Hopfensorten für eine schöne Fruchtnote. Es ist ein bisschen wie Craft Beer, nur nicht ganz so extrem", beschreibt Marlon Weinert. Das Spiel mit dem Hopfen führe dazu, dass sich das Bier in seiner Rezeptur auch immer ein wenig wandelt. Und: Wer Bier bestellt, kann sogar individuelle Wünsche nennen, sofern er einen kompletten Sud abnimmt.
Für Vater und Sohn wurde die Leidenschaft, "einfach nur gutes Bier zu trinken" zur Passion im eigenen kleinen Betrieb. "Für Qualität machen wir alles", lautet ihre Devise. Und der Spaß an dem, was sie tun, ist ihnen anzusehen. "Ich kann gar nicht sagen, was eigentlich das Schönste ist", sagt Marlon Weinert. "Das Kreieren und Austüfteln von Geschmacksnuancen, der Brautag, das Abfüllen oder das Verkosten in Gesellschaft." Vermutlich liegt der Zauber in all dem zusammen.
Berufe-Check
Brauer und Mälzer / Brauerin und Mälzerin
Brauer und Mälzer sind Spezialisten für Bier. Sie stellen aus den Rohstoffen Wasser, Hopfen und Malz zum Beispiel Weißbier, Pils oder alkoholfreies Bier her. Man braucht hierfür sowohl handwerkliches und technisches Können als auch Kenntnisse über die biologischen und chemischen Prozesse. Malz ansetzen, Würze kochen, Hopfenextrakte zusetzen und die Gärung überwachen – all das gehört dazu.
Dauer der Ausbildung: 3,5 Jahre
Voraussetzung: Berufsreife, Mittlere Reife, Abitur oder Fachabitur
Interessen: Ernährung, Lebensmittel
Interesse an der Ausbildung im Handwerk?
Beratung gibt es beim Team der Ausbildungs- und Nachwuchssicherungsberatung der Handwerkskammer Mannheim. E-Mail: ausbildungsberatung@hwk-mannheim.de.
Das Jubiläums-Bier in der Goodie-Bag
Es wurde eigens zum Anlass gebraut, ist im Geschmack ein wenig dezenter als die anderen Biere der Hausbrauerei Weinert und relativ klassisch gehalten. Und das sagt der Bierbrauer selbst: "Geschmacklich ist es wirklich rund geworden", so Marlon Weinert. "Nicht zu ausgefallen für den allgemeinen Biertrinker-Geschmack, aber trotzdem mit prägnanter Fruchtnote. Diese kommt zustande, indem wir vom fast fertigen Bier nochmal einige Liter wegnehmen und darin einen weiteren Hopfenauszug machen, in dem die Aromen schonend aufgenommen werden."