Mann am linken Bildrand blickt über die Schulter in die Kamera, vor ihm auf dem Stehtisch sind Unterlagen zu sehen, darunter ein schwarzes Papier mit silbernen Sternen
Erstmals auf dem Maimarkt hatte Oberbürgermeister Christian Specht darüber informiert, dass die Steinmetze eine Gedenktafel für den getöteten Polizisten Rouven Laur gestalten. Detlef Kleineidam hatte zu diesem Zeitpunkt erst den Entwurf vor sich. | © Handwerkskammer

Newsletter - 3-2025Gegen das Vergessen: Drei Sterne prägen Gedenkplatte für Rouven Laur

Es sind einfach drei Sterne. Schimmernd aus Edelstahl, eingelassen in schwarzen, schwedischen Basalt. Kein Name. Kein Datum. Doch alle, die das schreckliche Ereignis vom 31. Mai 2024 auf dem Mannheimer Marktplatz in Erinnerung haben, werden wissen, was die kleine Gedenkplatte bedeutet. Und es sind viele, wie sich bis heute an den Kerzen und Blumen zeigt, die noch immer rund um das Marktplatzdenkmal niedergelegt werden, in Erinnerung an den jungen Polizisten Rouven Laur, der dort bei einem Attentat vor einem Jahr ums Leben kam.

Steinmetze stiften Platte

Genau diese Erinnerungszeugnisse so vieler Menschen, die nicht vergessen wollen, haben den Ilvesheimer Steinmetzmeister Detlef Kleineidam an einem Abend auf dem Marktplatz ins Grübeln gebracht. "Als gebürtiger Mannheimer bewegt mich dies alles sehr", sagt er. Schon oft stand er deshalb still vor dem Gedenkort, der sich dort interkulturell gebildet hatte. An diesem Abend, als er von einem Kurs an der Abendakademie wieder innehielt, brachte ihn ein Zettel am Gitter auf einen Gedanken. Die Stadt teilte darauf mit, eine dauerhafte Gedenkstätte einrichten zu wollen. Und so nahm seinen Lauf, was am morgigen Samstag, dem ersten Jahrestag von Rouven Laurs Tod, bei einer Gedenkveranstaltung ab 15 Uhr auf dem Marktplatz an die Öffentlichkeit übergeben werden soll: Eine Gedenkplatte gegen das Vergessen und zu Ehren des getöteten Polizisten, gestiftet von der Steinmetz- und Steinbildhauerinnung Mannheim – Heidelberg - Rhein-Neckar-Kreis.

Handwerk zum Gedenken

Detlef Kleineidam war es eine Herzensangelegenheit, die Platte zu gestalten. Es ist sein Handwerk. Grabsteine machen einen erheblichen Anteil aus, fast 80 Prozent seiner Tätigkeiten haben mit Friedhofsarbeiten zu tun. Der Rest ist Bau- und Denkmalpflege. Jeder Grabstein ist einzigartig und verdeutlicht die Besonderheit eines Denkmals, das nicht nur Handwerk braucht, sondern auch Verständnis, Einfühlungsvermögen, Wertschätzung für einen Menschen, der ging, und die Angehörigen, die bleiben. Auch die Gedenktafel für Rouven Laur gibt all dies wieder. So einfach sie zu sein scheint, so vielsagend und besonders ist sie.

Sterne symbolisieren Rang

Am Anfang steht ein kreativer Prozess, verbunden mit verschiedenen Gedanken. Erst dachte der Innungsobermeister an einen blauen Stein, der die Farbe der Uniform aufgreifen sollte. Doch kein Material war wirklich passgenau. "Zu grau oder zu farbkräftig", sagt Detlef Kleineidam. So fiel die Wahl auf eine schwarze Basaltplatte, die den drei eben in sie eingelassenen Sternen den Raum zu strahlen gibt. Sie stehen für das Rangabzeichen des Polizeihauptkommisars, für seinen beruflichen Werdegang, auf den er stolz war und den er mit Leidenschaft ausübte.

Dass weder Name noch Datum des Attentats auf der 30 mal 18,5 Zentimeter großen Tafel stehen, entspricht dem Wunsch der Mutter des getöteten Polizisten. Petra Laur hatte bei einem Gespräch in der Werkstatt des Steinmetzmeisters zum Ausdruck gebracht, dass niemand auf ihren Sohn herabschauen oder seinen Namen mit Füßen treten solle. "Ich verstehe das vollkommen und sehe es jetzt genauso", sagt Detlef Kleineidam.

Stein wird in Boden eingelassen

Gestiftet wurde die Steinplatte vom Natursteinwerk Eichhorn und Walter im Odenwald. Die handwerkliche Umsetzung übernahm Detlef Kleineidam in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen, dem stellvertretenden Innungsobermeister Günter Fath aus Schwetzingen und einer Auszubildenden. Am heutigen Freitag, dem Tag nach Christi Himmelfahrt, vollendet Detlef Kleineidam das Werk auf dem Mannheimer Marktplatz. Pflastersteine müssen dafür entfernt werden, damit die Gedenkplatte eben und stolperfrei in den Boden eingelassen werden kann. Eine Holztafel wird sie bedecken, ehe der Gedenkstein am Samstag, dem Jahrestag des Attentats, enthüllt wird.

Handwerk ist ehrenvoll

Dass die Steinmetzinnung diesen Beitrag leistet, ist für ihren Obermeister ganz selbstverständlich. "Alle Handwerksberufe sind ehrenvolle Berufe", sagt Detlef Kleineidam. "Als Steinmetze tragen wir etwas zum Gedenken eines Menschen bei." Und als Mannheimer fühle er sich dieser Stadt ohnehin eng verbunden.

Gedenk-Veranstaltung
Die Stadt Mannheim lädt am Jahrestag des Attentats zu einer Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz. Neben Oberbürgermeister Christian Specht wird auch der Landesinnenminister Thomas Strobl erwartet. Die Veranstaltung will ein Zeichen für Frieden, Respekt und Zusammenhalt setzen. Nicht nur die Gedenkplatte der Steinmetz- und Steinbildhauer-Innung Mannheim – Heidelberg – Rhein-Neckar-Kreis wird enthüllt, sondern auch ein von der Stadt Mannheim, Marchivum und der Polizei gestalteter „Standpunkt“, der das Geschehen am 31. Mai 2024 aufgreift. Das Landespolizeiorchester Baden-Württemberg begleitet das Gedenken musikalisch mit seinem Großen Blechbläserensemble.

 31. Mai 2025
 15 Uhr
 Marktplatz Mannheim





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