Älterer Mann mit Brille und kurzem weißen Bart steht vor einem 3D-Drucker und hält einen gedruckten flächigen Prototyp in die Kamera
Auch für das Multi-Tool gab es zunächst einen Prototyp, den Ausbildungsmeister Uwe Filbeck aus dem hauseigenen 3D-Drucker in der Bildungsakademie holte. | © Handwerkskammer

Multi-ToolHandwerk zwischen traditionellem Anpacken und virtuellen Welten

Handwerk heißt machen. Mit eigener Hand, eigener Fingerfertigkeit, eigenem Kopf. Und doch … Modernes Handwerk ist noch so viel mehr. Es ist technisch, digital, KI-gestützt. Es balanciert zwischen traditionellem Anpacken und virtuellen Welten. Das Multitool aus der Goodie-Bag verbindet beide Seiten: Es kommt aus dem 3D-Drucker und ist fürs Handwerken gedacht. Erdacht in der Bildungsakademie der Handwerkskammer, von Ausbildungsmeister Uwe Filbeck in Daten aufgesetzt und vom 3D-Drucker ausgespuckt.

Irgendwie ist es faszinierend, wie der Weg von der Idee zur Realität den Schritt des handgetriebenen Bauens überspringt. Doch Sinn macht die neue Technik allemal. Gerade im Handwerk. Ein Anwendungsgebiet sind Prototypen. "Man kann auf diese Weise viel Geld sparen", sagt Uwe Filbeck. So lassen sich Produktideen frühzeitig testen und Konzepte greifbar machen, ohne das Risiko des "Ernstfalls" einzugehen. Auch für maßgeschneiderte Einzelanfertigungen, Spezialwerkzeuge oder Ersatzteile, zum Beispiel für Oldtimer, hält der 3D-Druck beste Ergebnisse bereit. "Sogar im Bereich der Lebensmittelindustrie sind 3D-Drucker im Einsatz", erzählt Uwe Filbeck. "Der Kollege in der Backstube hier hat auch einen." Der bringt nämlich Schokolade in gewünschte Formen für die süße Deko oder zur individuellen Beschriftung von Backwaren. Auch das "gedruckte" Bild zum Vernaschen auf Geburtstags- oder Jubiläumstorten hat jeder schon einmal gesehen. Und was klein geht, funktioniert auch groß: Ganze Häuser werden mittlerweile im 3D-Druck-Verfahren hergestellt. Für ein kleines Einfamilienhaus mit 100 Quadratmetern braucht das gerade einmal 100 Stunden – also rund vier Tage.

Als Ausbilder im Bereich Feinwerktechnik und Metall fallen Uwe Filbeck viele Einsatzmöglichkeiten ein. Doch einen Drucker muss man erst einmal bedienen können. Die Idee kommt nicht ohne Input aus dem Gerät heraus. Und so erweitert die neue Technologie in der Ausbildung das Wissensspektrum über die handwerklichen Fertigkeiten hinaus. Es braucht grundlegende Kenntnisse in CAD-Konstruktion und im Umgang mit Slicer-Programmen, um 3D-Modelle in druckbare Codes umzuwandeln. Auch Materialkunde, wie die Auswahl des passenden Filaments, das zur gewünschten Festigkeit, Temperaturbeständigkeit oder Flexibilität führt, ist unerlässlich.

Im Gesundheits-Handwerk werden mit 3D-Druckern medizinische Komponenten erstellt. Ob Zahnersatz, Zahnspangen Implantate oder individuelle Hörgeräte – alles ist passgenau möglich. Auch in der Orthopädietechnik entstehen Prothesen alternativ zu traditionellen Methoden wie der Carbon-Fertigung auf diese Weise. Damit beweist Handwerk all seine Komplexität und Entwicklungsfreude hin zu neuen Möglichkeiten.

 Berufe-Check

Feinwerkmechanikerin / Feinwerkmechaniker

Feinwerkmechaniker fertigen in Präzisionsarbeit Bauteile für feinmechanische Geräte. Mithilfe von computergestützten Techniken oder in Handarbeit entstehen Präzisionsbauteile für verschiedene Bereiche der Industrie. Auch das Montieren der angefertigten Teile oder das Verbauen von Mess- und Regelkomponenten gehört zum Berufsbild.

 Dauer der Ausbildung: 3,5 Jahre

 Voraussetzung: Berufsreife, Mittlere Reife, Abitur oder Fachabitur

 Interessen: IT, technische Verarbeitung, Metall

 

 

Interesse an der Ausbildung im Handwerk?

Beratung gibt es beim Team der Ausbildungs- und Nachwuchssicherungsberatung der Handwerkskammer Mannheim.  ausbildungsberatung@hwk-mannheim.de.

Das Multi-Tool in der Goodie-Bag

Wie der Name schon sagt: Es ist multifunktional. Zu verwenden:

  • Als Lineal
  • Zum Auftragen von Winkelgraden
  • Zum Lösen leichter Schaubverbindungen
  • Zum Übertragen einer Sechs-Kant-Zeichnung