Steckbrief: Berufe im HandwerkVom Boden zum Möbel – wie aus Fliesen schicke Sitzbänke werden

Die Idee entstand in der Bildungsakademie der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald: „Lasst uns doch mal Bänke machen!“ Käme das Vorhaben aus der Schreiner-Werkstatt, würde sich wohl niemand wundern. Doch das Projekt entspringt der Fliesenleger-Werkstatt. „Die Anwendungsmöglichkeiten bei Fliesen sind äußerst vielfältig“, sagt ein Ausbilder der Bildungsstätte. Und so begannen Arbeiten, bei denen mit großformatigen Fliesen Bänke in verschiedensten Optiken entstanden.

Grundlage einer jeden Bank bildet ein Körper aus robusten EXP-Bauplatten. Diese sind stabil und weitgehend witterungsbeständig, sodass die befliesten Möbel auch draußen stehen können. Das Projekt, das von Azubis des zweiten und dritten Lehrjahres in der Bildungsstätte in Mannheim umgesetzt wurde, stellte den Fliesenleger-Nachwuchs auch vor die Aufgabe, den Rohkörper zu bauen. „Als Fliesen-, Platten- und Mosaikleger haben wir nicht nur mit dem eigentlichen Fliesen zu tun, sondern auch mit den Untergründen. Wir mauern und wir bauen, das gehört mit zum Aufgabenfeld“, so der Ausbilder.



junge Frau steht gebeugt an einer Arbeitsplatte und führt ein Schleifgerät über die Kante einer großformatigen Fliese, das Haar fällt über ihr Gesicht

Reihe von drei Sitzbänken in der Werkstadt, die vordere ist in einer Marmoroptik aus weißem Stein mit grau durchzogener Struktur

Sitzbank in gemauerter Optik aus Fliesen in einer Bank, darauf liegt eine Wasserwaage, davor ein Fliesenschneider und anderes Gerät

Mann mit kurzem Bart arbeitet an einem Tisch mit einer Zange in der Hand und zerkleinert Fliesenstücke. Vor ihm die Skizze eines Wappens.

junger Mann kniet im Hintergrund hinter der Seitenlehne einer Bank, die gerade mit Großfliesen besetzt wird, und arbeitet an der Rückenlehne

Junger Mann im weißen T-Shirt und schwarzer Handwerkerhose beugt sich mit Schleifgerät über eine Platte, das Gesicht mit einer Maske geschützt.



Für die Bänke musste also erst einmal überlegt werden, wie der Körper aussieht. Welche Maße sinnvoll sind. In welchem Winkel die Rückenlehne angebracht werden soll. In welcher Höhe die Seitenlehnen bequem sind. Es ging also um Design, um Komfort, aber auch um Umsetzbarkeit und Stabilität. Für all dies brauchte es Rechenexempel genauso wie Ideenskizzen. Zwischendrin wurde auf den einzelnen Prototypen ausgiebig Probegesessen.

Erst dann kamen großformatige Fliesen zum Einsatz. Besonderer Clou: Sie wurden auf Gehrung geschnitten. Das heißt: Selbst über die Kanten fügen sie sich exakt zusammen, gehen also nahtlos ineinander über. Das erzeugt eine fugenfreie, hochwertige Optik und gehört zu den neuen, anspruchsvollen Techniken.

Die Endergebnisse konnten sich sehen lassen und stießen auch in der Öffentlichkeit auf viel Lob und Respekt. Das erste fertige Exemplar ging an Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht und kommt öffentlich zum Einsatz. Auf dem Maimarkt vollendete er höchstselbst die Bank mit dem Stadtwappen von Mannheim, das die Fliesenleger-Azubis in Mosaik-Technik vorbereitet hatten. „Großartig“, freute sich der OB und gratulierte zu den Arbeiten.



Mann mit dem Rücken zur Kamera zeigt ein aus bunten Fliesen gearbeitetes Wappen, im Hintergrund stehen zwei weitere Männer mit verschränkten Armen.

Junger Mann mit Brille beugt sich über die Lehne einer gefliesten Bank und spannt ein Kreppband, um es darauf zu kleben. In der Rückenlehne ein Wappen.

Mann im Anzug mit dem Rücken zur Kamera beugt sich über eine Bank und platziert eine Fliese in eine Aussparung in der Rückenlehne.

Bank aus grauen großformatigen Fliesen in einer kantigen Optik mit kurzen Seitenlehnen und einem bunten Wappen in der Rückenlehne